Das Berufsbild des Honorar-Anlageberaters/Honorar-Finanzanlageberaters

Honorarberatung braucht klare Regeln

Das Provisionssystem hat versagt

Dr. Salvatore Gnoni - EU-Kommission über Mifid II

ansehen
Dr. Christian Thorun - Studienpräsentation "Provisionsverbot"

ansehen

Ein Blick nach Europa

Holland:

  • Auch in Holland sieht sich der Gesetzgeber zum Handeln gezwungen. Seit 01.10.2009 müssen Vermittler komplexer Finanzprodukte, auch für Lebens-Versicherungen ihre verdienten Provisionen offenlegen.
  • Es muss über die durchschnittliche Höhe (Bandbreite) der Provision eines Produktes informiert werden. Auf Nachfrage sind die konkreten Provisionen anzugeben; aufgeschlüsselt nach Abschluss-, Bestands- und sonstige Sonderzahlungen.
  • Die Aufteilung der Abschluss- und Bestandsprovision wird ab 2010 im Verhältnis 60/40% aufgeteilt, ab 2011 im Verhältnis 50/50%.
  • Die Informationen sind schriftlich vor Vertragsabschluss auszuhändigen.
  • Holland sah bis 2002 noch vor, dass der Makler nur gegen Provision tätig sein dürfe

Großbritannien:

  • Die britische Aufsichtsbehörde FSA legte 2009 viel beachtete  Reformvor-schläge vor, mit denen das Vertrauen der Kunden wieder gewonnen werden sollte. Abschluss der Beratungen zum 31.10.10 (Einf. für Ende 2012 gepl.) §Makler sollen bei Lebensversicherungen von Versicherern keine Courtagen mehr erhalten dürfen, sondern ausschließlich gegen Honorar tätig sein.
  • Zwei Alternativen: Entweder direkte Honorarzahlung oder die mit dem Ver-sicherungsnehmer vereinbarte Vergütung wird direkt von den Prämienzahlungen („adviser charges") abgezogen.
  • Zu Beginn der Beratung muss über die anfallenden Beratungskosten informiert werden.
  • Entscheidend sei der Wegfall der inhärenten Interessenskonflikte.

Schweiz:

  • Die Einführung der Nettoquotierung und Nettopolicen beabsichtigt auch die Schweiz. Die Expertenkommission „Totalrevision VVG" empfiehlt ein Vergütungsverbot für Makler.
  • Seit Januar 2009 liegt ein konkreter Gesetzentwurf vor. Nach diesem Entwurf sollen die Makler künftig direkt vom Versicherungsnehmer entlohnt werden.
  • Zusätzlich erwähnt der Entwurf eine gesetzliche Herausgabepflicht für alle von Versicherern  gewährten Leistungen, wie Provisionen, Superprovisionen oder sonstigen Zuwendungen, die direkt mit dem vermittelten Vertrag zu tun haben.
  • Der Versicherungsnehmer muss vollständig und wahrheitsgetreu von Makler über die Art, Höhe und Berechnungsweise der vom Versicherer erhaltenen Zuwendungen  informieren.

Litauen:

  • Im März 2007 veröffentlichte die Versicherungsaufsichtsbehörde ihre Planungen, den heimischen Versicherern zu verbieten, Courtagen an Makler zu bezahlen.
  • Begründet wurde diese Maßnahme mit dem Argument, dass jede Courtagezahlung zu einem Interessenskonflikt führe.
  • Bisher wurde noch keine Verfügung erlassen.

Skandinavien:

Schweden und Dänemark:

  • Im Mai 2003 wandte sich der schwedische Versichererverband mit der Bitte einer gesetzlichen Einführung eines Netquoting-Systems an die Regierung.
  • Nur einen Monat später verschickte der dänische Verband eine Information an seine Mitglieder mit neun Vor- und einem Nachteil(en) des Netquoting-Systems
  • Nur sechs Wochen später hatten die Versicherungsgesellschaften mit 50% Marktanteil am dänischen Markt ihre Prämien umgestellt.
  • Dänemark hat am 01.07.2007 ein gesetzliches Verbot von Courtagezahlungen in der Lebens- und Sachversicherung eingeführt - Übergangsfrist bis 01.07.11.
  • In Schweden wird derzeit das Netquoting nicht von allen Versicherern praktiziert. Eine gesetzliche Regelung wird für die nächste Zeit nicht erwartet.

Finnland:

  • Im Oktober 2002 verabschiedeten die finnischen Versicherer  eine Verbandsempfehlung nur noch Nettoprämien zu berechnen
  • Nach Aussage der Geschäftsführerin des finnischen Verbandes  für FDL Mäntyeniemi wurde die Einführung des Systems  mit einer Umfrage begründet, nach der 69% die Höhe der Vergütung ihres Versicherungsmaklers nicht kannten.
  • Im Rahmen der Umsetzung der EU-Richtlinie wurde zwischenzeitlich ein Gesetz eingeführt, nach dem Makler seit dem 01.08.2008 nur noch von ihren Kunden entlohnt werden dürfen.
  • Die Übergangsfrist zur Einführung dieses Systems beträgt drei Jahre.

Norwegen:

  • Bereits 2002 haben die großen skandinavischen Versicherungsunternehmen eine marktweite Einführung von Nettopolicen abgesprochen.
  • Im Juni 2002 verabschiedeten die norwegischen Versicherer einen Verhaltenskodex, nach dem Versicherungsmaklern keine Courtagen mehr erhalten würden.
  • Im Mai 2003 kündigten die norwegischen Versicherer sämtliche Maklerverträge mit einer Frist von 3 Monaten, ab 01.09.2003 wurden nur noch Versicherungsverträge auf Nettobasis angeboten (Ausnahme Transportversicherung).
  • Das neue System der Nettopolicen wird in Norwegen marktweit angewandt.
  • Die Regierung erwägt ein gesetzliches Provisionsverbot für alle Sparten.